Karrierekiller Allergie

Allergikerin Julia Kurz: Erfolgreich trotz abgebrochenen Abiturs

Erschöpft, müde, ausgebrannt: So fühlte sich Julia Kurz monatelang – und zwar aufgrund der Nebenwirkungen des Medikamentencocktails, zu dem die damals 17-jährige Allergikerin täglich griff. Denn die ständige Triefnase, der kratzende Rachen und die geschwollenen, tränenden Augen machten der damaligen Schülerin aus dem schleswig-holsteinischen Niendorf vor allem während der Pollensaison schwer zu schaffen. Doch die Nebenwirkungen der Medikamente, die Julia Kurz zur Bekämpfung ihrer Allergie-Symptome einnahm, raubten ihr die Energie.

„Ständig war ich schlapp und erschöpft. Ich hatte große Schwierigkeiten, mich aufs Lernen zu konzentrieren“, erinnert sich die heute 22-jährige Physiotherapie-Studentin. „Der dauernde Schnupfen, die brennenden Augen und dazu die Medikamente – mein Immunsystem hatte richtig zu kämpfen zu dieser Zeit.“ Das alles schränkte die damalige Gymnasiastin in ihrer Leistungsfähigkeit so stark ein, dass sie sich dem Abitur nicht mehr gewachsen fühlte. Die Konsequenz: Sie verließ die Schule ohne den Abschluss.

 

Julia Kurz litt unter ihrer Gräserpollen-Allergie
Julia Kurz litt unter ihrer Gräserpollen-Allergie

Jeder vierte Deutsche allergiekrank

Etwa jeder Vierte leidet in Deutschland an einer allergischen Erkrankung. Tendenz steigend! Gerade Kinder und junge Menschen sind zunehmend betroffen. Eine Atemwegsallergie stellt für Patienten und ihre Familien eine große Belastung dar. „Allergische Erkrankungen werden immer noch von Vielen unterschätzt“, sagt Prof. Karl-Christian Bergmann vom Allergie-Centrum  der Charité Berlin. „Doch die Erkrankung kann für Betroffene unter Umständen verheerend sein.“ Mit der Zeit könne sich zusätzlich zum Heuschnupfen ein allergisches Asthma entwickeln oder es könnten weitere Allergien – zum Beispiel gegen Milben – hinzukommen.  „Die Lebensqualität des Patienten sinkt somit stetig“, betont Bergman

„Ich hätte viel früher handeln müssen!“

Julia Kurz reagierte nicht nur auf diverse Gräserpollen hochgradig allergisch. Auch die Pollen von Roggen und verschiedenen Bäumen sowie Hausstaubmilben setzten ihr stark zu. Doch zum Arzt zu gehen, um ihre Allergie ursächlich behandeln zu lassen – das gehört nicht gerade zu den Lieblingsbeschäftigungen eines Teenagers: „Wenn es nicht unbedingt sein muss, dann gehe ich nicht zum Arzt“, sagt Julia Kurz. Dabei weiß sie mittlerweile: „Ich hätte viel früher handeln müssen!“ Ihr Schicksal ist kein Einzelfall: Viele Allergiker warten damit, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. „Wenn man nur die Symptome bekämpft, schreitet die Krankheit trotzdem voran“, warnt Bergmann.

"Gefürchteter "Etagenwechsel"

Die Allergie-Impfung ist die einzige ursächliche Behandlung einer Allergie.  „Während der Allergie-Impfung wird der Körper behutsam an die Allergie-auslösende Substanz gewöhnt und darauf trainiert, nicht mehr allergisch zu reagieren“, erklärt Bergmann. Dadurch könne die Entstehung weiterer Allergien sowie eines allergischen Asthmas unterbunden werden. „Der Betroffene genießt nach erfolgreicher Therapie eine ganz neue Lebensqualität – und zwar nachhaltig“, weiß der Experte.  

Bei Julia Kurz verschlimmerte sich die Allergie dagegen zunehmend: Für Notfälle musste sie ein Asthmaspray mit sich führen. Damit trat das ein, vor dem sich so viele Pollenallergiker fürchten: der so genannte „Etagenwechsel“, bei dem sich die Beschwerden vom Nase-Rachen-Raum auf die unteren Atemwege und die Lunge ausdehnen.

Hyposensibilisierung mit Tabletten, Tropfen oder Spritzen

Dann erzählte ihr die Tante von der Immuntherapie, die mittels Spritzen, Tabletten oder Tropfen durchgeführt werden könne und Julia Kurz entschloss sich, nun doch zu einem Arzt zu gehen. Dort ließ sie sich beraten, welche Therapie für sie die beste sei. Wegen ihrer Angst vor Spritzen riet ihr der Arzt zu einer Therapie mittels Tropfen oder Tabletten, die man entweder einmal täglich unter die Zunge legt oder träufelt. Die Tabletten und die Tropfen enthalten ebenso wie die Spritzen Gräserpollen - in einer so geringen Dosis, dass sich der Körper an sie gewöhnen kann und allmählich seine übertriebenen Abwehrreaktionen einstellt. So beschloss Julia Kurz, ihrer Allergie damit den Kampf anzusagen.

Genug Energie – sogar für ein Studium

Seitdem sie die Hyposensibilisierung durchführt, hat sich ihr Allgemeinzustand deutlich verbessert. Sie fühlt sich seltener müde. Das Nasenspray ist kaum noch notwendig. Ihre leichten Asthmaschübe sind sehr viel seltener geworden. So kommt Julia Kurz zunehmend beschwerdefrei im Berufsleben an: Ihre künftige Arbeit erfüllt die Physiotherapie-Studentin des dualen Studiengangs der Fachhochschule Kiel mit Freude. Vor dem Lernen hat sie diesmal übrigens keine Angst. Jetzt, wo sie ihre Allergie im Griff hat, hat sie den nötigen Elan dazu.

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