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Leben mit Wespengiftallergie

„Wenn ich nichts unternehme, kann mich die Allergie mein Leben kosten“

Eine fünfköpfige Familie, ein großer Garten, dazu Hund und Kater: Mirjam Strube kann sich keinen Ausfall leisten. Dass sie an einer lebensbedrohlichen Wespengiftallergie leidet, wusste die 42-Jährige lange Zeit nicht. Eine Hyposensibilisierung soll ihr Immunsystem nun darauf trainieren, das Wespengift künftig zu tolerieren.

„Bei uns zu Hause war ich immer diejenige, die im Garten das Fallobst aufgesammelt und die Wespen vom Tisch verscheucht hat. Ich hatte ja keine Ahnung, welcher Gefahr ich mich damit aussetze“, erinnert sich Mirjam Strube.

An einem sonnigen Nachmittag im Spätsommer 2015 ändert sich das Leben der dreifachen Mutter schlagartig: Sie wird von einer Wespe gestochen. „Die Situation war ganz alltäglich. Ich habe die Hand auf die Fensterbank gelegt, darunter saß eine Wespe – und wusste sich nicht anders zu helfen als mich zu stechen“, berichtet sie. Die Reaktionen ihres Körpers auf das Wespengift lassen nicht lange auf sich warten. Sie bekommt Herzrasen, der Kreislauf macht schlapp, sie beginnt zu zittern. Auf der Brust zeichnet sich ein roter Hautausschlag ab.

Mirjam Strube kann sich keinen Ausfall leisten.

Mirjam Strube bemüht sich, Ruhe zu bewahren. „Ich war allein mit meiner kleinen Tochter zuhause, da blieb mir überhaupt nichts anderes übrig, als mich zusammenzureißen.“ Endlich kommt ihre älteste Tochter nach Hause. Die 22-jährige versorgt ihre kleine Schwester und bringt ihre Mutter zum Arzt. Unverzüglich wird sie mit Kortison behandelt.

Das Problem: Die Mitarbeiterin in einer Praxis für Ergotherapie reagiert auf das Gift von Wespen nicht nur an der Einstichstelle, sondern am ganzen Körper. Innerhalb weniger Minuten, manchmal nur Sekunden, kann es bei dieser so genannten systemischen Reaktion zu Herzrasen, Schwellungen und Hautausschlägen kommen. Schlimmstenfalls droht ein lebensbedrohlicher anaphylaktischer Schock. Betroffen sind in Deutschland bis zu 3,5 Prozent der Bevölkerung. Es kommt immer wieder zu Todesfällen.

  Nachdem das Schlimmste überstanden ist, verschreibt der Hausarzt Mirjam Strube ein Notfallset und überweist sie zur weiteren Abklärung in eine Uniklinik. Das Set mit einem Antihistaminikum, Kortison und einer Adrenalin-Fertigspritze muss sie fortan immer bei sich tragen. In der Klinik unterzieht sie sich einem Pricktest, zusätzlich wird Blut abgenommen. Die Tests bestätigen eine Sensibilisierung gegen Wespengift. Ihr Körper hat das Wespengift fälschlicherweise als gefährlichen Stoff eingestuft, den das Immunsystem nun mit allen Mitteln zu bekämpfen versucht. Beim nächsten Stich droht erneut eine allergische Reaktion, die schlimmstenfalls in einem allergischen Schock münden kann.

Trotzdem nimmt Mirjam Strube das Problem zunächst auf die leichte Schulter. „Klar war ich beunruhigt. Aber ich habe in dem Jahr meinen Job gewechselt, hatte ein kleines Kind zu versorgen – da hat man andere Dinge im Kopf. Und solange keine Wespe in der Nähe war, ging es mir ja gut.“

Doch der Arzt redet Mirjam Strube ins Gewissen. Ihre Allergie ist dringend behandlungsbedürftig. „Er hat mich daran erinnert, dass ich ein kleines Kind habe und Verantwortung trage. Wenn ich nichts unternehme, kann mich die Allergie im schlimmsten Fall mein Leben kosten.“ Mit dieser Erkenntnis ist für Mirjam Strube nichts mehr wie vorher: „Ich werde regelrecht panisch, wenn ich ein Insekt sehe. Während ich früher zu sorglos war, kann ich jetzt kaum noch ohne Angst nach draußen gehen.“ Daran, wie sie früher die Äpfel im Garten geerntet oder anschließend die Wespen vom Apfelkuchen gejagt hat, ist nicht mehr zu denken. Eine große Unterstützung ist für Mirjam Strube ihre älteste Tochter: „Sie schafft es immer wieder, mich zu beruhigen.“

Abhilfe soll nun eine so genannte Hyposensibilisierung schaffen, die den Körper Schritt für Schritt an das Insektengift gewöhnt. Dazu wird eine genau definierte Dosis unter die Haut gespritzt und langsam gesteigert. Die ersten Dosen werden in der Klinik verabreicht, damit die Betroffenen permanent medizinisch überwacht werden können. Die Erfolgsaussichten sind sehr gut: Etwa 95 Prozent reagieren nach der Hyposensibilisierung wieder normal auf das Insektengift.

„Wenn ich daran zurückdenke, welche Reaktion das Wespengift bei mir ausgelöst hat, ist mir nicht ganz wohl bei dem Gedanken an die Behandlung“, gesteht Mirjam Strube, „aber es ist besser, einmal Angst zu haben als ein ganzes Leben!“

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