Hyposensibilisierung mittels Tropfen

Eine Hyposensibilisierung - auch Allergie-Impfung genannt - ist die einzige Möglichkeit zur Therapie von Allergien, die direkt bei der Ursache ansetzt - nämlich der Überempfindlichkeit des Immunsystems gegenüber bestimmten Substanzen. Neben der relativ bekannten Therapie mittels Spritzen gibt es seit einigen Jahren bei einer Allergie gegen Gräserpollen eine Therapie in Tablettenform. Eine weitere Applikationsform ist die Therapie in Form von Tropfen, bei der die Allergen-Präparate im Rahmen einer Hyposensibilisierung regelmäßig unter die Zunge geträufelt werden.

Unter welchen Voraussetzungen und bei welchen Allergien ist eine Hyposensibilisierung mittels Tropfen möglich?

Eine Hyposensibilisierung hat besonders gute Erfolgsaussichten bei Allergien, die zum Allergie-Typ I (Soforttyp) zählen, darunter  Allergien gegen Pollen, Hausstaubmilben, Schimmelpilze oder Tierallergene. Die sublinguale Immuntherapie (SLIT), wozu auch die Hyposensibilisierung mittels Tropfen zählt, eignet sich besonders für Patienten, die keine Spritzen vertragen oder eine Applikation mittels Tropfen vorziehen.  

Voraussetzung für eine Hyposensibilisierung mittels Tropfen ist, dass die Therapie unter ärztlicher Anweisung begonnen und vom Patienten sehr sorgfältig und mit großer Selbstdisziplin weitergeführt wird.

Zudem sollten keine Erkrankungen bestehen, bei denen eine Hyposensibilisierung nicht infrage kommt, wie etwa bösartige Tumor- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Autoimmunerkrankungen, Immunschwäche oder schweres unkontrolliertes Asthma. Bei der Hyposensibilisierung mit Tropfen sollte zudem auch keine Entzündung oder Wunde in der Mundhöhle  bestehen.

Tropfeneinnahme
Tropfeneinnahme

Bitte klären Sie vor Beginn der Therapie folgende Punkte mit Ihrem Arzt:

  • Nehmen Sie Medikamente ein? Wenn ja, welche?
  • Leiden Sie an einer chronischen Erkrankung?
  • Sind Sie schwanger oder planen Sie eine Schwangerschaft?
  • Haben Sie eventuell Beschwerden in der Mundhöhle / an den Zähnen?

Wie läuft eine Hyposensibilisierung mit Tropfen ab - und wie sollten sich Patienten während dieser Therapie verhalten?

Bei der Hyposensibilisierung werden einige Tropfen einer allergenhaltigen Lösung in den Mund direkt unter die Zunge geträufelt. Der Patient behält die Tropfen für etwa zwei bis drei Minuten im Mund und schluckt sie erst danach herunter.

Schema - Behandlungsplan für eine Hyposensibilisierung mit Tropfen.

Bei der Einnahme der Tropfen sollten sich die Patienten exakt an die Anweisungen des Arztes halten, um den bestmöglichen Effekt zu erreichen. Die Anwendung erfolgt nach ärztlichen Vorgaben täglich und zwar möglichst immer zur gleichen Tageszeit.

Im Unterschied zur Hyposensibilisierung mittels Spritzen ist es zur Einnahme der Tropfen nicht notwendig, die Arztpraxis aufzusuchen. Vielmehr können die Patienten dies zu Hause, am Arbeitsplatz oder an einem anderen geeigneten Ort erledigen. Die Behandlung sollte in der Regel wenigstens drei Jahre lang fortgeführt werden. Um den Therapieerfolg nicht zu gefährden, ist es wichtig, die Tropfen auch dann konsequent und mit großer Selbstdisziplin anzuwenden, wenn sich bereits eine erste Besserung der Allergiebeschwerden bemerkbar macht.

Welche Vorteile hat die Hyposensibilisierung mit Tropfen?

Ein großer Vorteil der Hyposensibilisierung mit Tropfen besteht darin, dass sie vom Patienten selbst an nahezu jedem beliebigen Ort durchgeführt werden kann. Sie ist nach anfänglicher Einweisung durch den Arzt leicht selbst durchführbar. Während der meist mehrere Jahre dauernden Therapie sind deshalb weniger Arzttermine notwendig als bei einer Hyposensibilisierung mit Spritzen. Auch wird die Verabreichungsform - die Einnahme der Tropfen - von vielen Patienten im Vergleich zur Spritze als angenehmer empfunden. Ein weiterer entscheidender Vorteil einer Hyposensibilisierung gegenüber einer symptomatischen Behandlung ist die ursächliche Behandlung der Erkrankung.

Die Therapie mittels Tropfen ist meist gut verträglich. Zu Beginn der Behandlung verspüren viele Patienten für kurze Zeit ein Kribbeln oder Brennen im Mund, das aber nach ein paar Tagen der Einnahme bei den meisten nicht mehr auftritt. Eiswürfel zu lutschen oder 5 Minuten nach der Einnahme etwas essen, kann diese Beschwerden lindern.

Vorteile der Tropfen-Hyposensibilisierung im Überblick

  • Überall durchführbar
  • Weniger Arztbesuche notwendig
  • Angenehme Anwendungsform
  • Gute Verträglichkeit

Welche Risiken beziehungsweise Nachteile gibt es bei einer Hyposensibilisierung mit Tropfen?

Ein Nachteil der Hyposensibilisierung mit Tropfen ist mitunter die Tatsache, dass sie von den Patienten ein hohes Maß an Selbstdisziplin verlangt. Das gilt besonders für die Monate, in denen keine oder geringere Allergenbelastung vorhanden ist und deshalb kein Krankheitsgefühl da ist. Trotzdem sollte auch in dieser Zeit die Einnahme konsequent durchgeführt werden, um das Immunsystem langfristig umzutrainieren.

Häufig sind lokale Symptome im Mund- und Rachenraum, insbesondere Schleimhautschwellungen und Juckreiz. Auch Symptome innerhalb des Magen-Darm-Bereichs oder Kopfschmerzen und Müdigkeit können vorkommen.

Einen Überblick über die möglichen Nebenwirkungen gibt die Gebrauchsinformation des jeweiligen Präparats.

Hyposensibilisierung mittels Tropfen - was Sie darüber wissen sollten

Eine kausale Behandlung von Allergien durch Hyposensibilisierung muss nicht zwingend eine "Spritzenkur" bedeuten. Alternativ zur subkutanen Verabreichung mittels Spritzen können Allergenpräparate zur Hyposensibilisierung auch in Form von Tropfen unter die Zunge geträufelt werden, wo sie vom Patienten vor dem Herunterschlucken für einige Minuten belassen werden. Diese Methode empfinden viele Patienten im Vergleich zu Injektionen als angenehmer; außerdem kann sie von ihnen selbst angewandt werden. Im Vergleich zur "Allergiespritze" sind deshalb weniger Arzttermine notwendig. Diese Therapie erfordert allerdings ein hohes Maß an Selbstdisziplin und sollte über mehrere Jahre hinweg durchgehalten werden.

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