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Freispruch für das Schlafzimmer – Milben sind weiter verbreitet als angenommen

Im Herbst beginnt die Hauptleidenszeit der Hausstaubmilbenallergiker. Betroffene kühlen ihr Schlafzimmer auf frostige 16 Grad, überziehen ihre Matratze mit Encasings und rücken dem Hausstaub mit speziellen Staubsaugerfiltern zu Leibe. Doch oft verschaffen diese Maßnahmen nur geringfügig Linderung. Aktuelle Studien zeigen, wieso: Hausstaubmilben sind viel weiter verbreitet als angenommen. Sie lauern nicht nur im Schlafzimmer, sondern in Kinosesseln, Büroräumen und öffentlichen Verkehrsmitteln.1

Auf das Schlafzimmer entfallen insgesamt weniger als 10 Prozent der täglichen Belastung mit Hausstaubmilben – viel höher ist die Milbenexposition tagsüber in geschlossenen Räumen oder außerhalb.1 Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, bei der australische Allergie-Experten untersuchten, welche Konzentration an Milben-Allergenen ein Mensch über einen Zeitraum von 24 Stunden an verschiedenen Orten und bei verschiedenen Aktivitäten einatmen kann. Die höchsten Milbenallergen-Belastungen traten in öffentlichen Nahverkehrsmitteln auf, gefolgt von Haushalts-Tätigkeiten und bei physischer Nähe zu anderen Menschen. Erschreckend hoch ist die Milbenkonzentration außerdem in Kinder- und Fahrersitzen von PKWs, wie Umweltmediziner beim Absaugen entsprechender Sitze herausfanden: Sie entdeckten zwölf verschiedene Milbenarten, von denen neun belastende Allergene produzieren können. In über 12 Prozent der Autositze und 15 Prozent der Auto-Kindersitze wiesen die Forscher Hausstaubmilben in Mengen nach, die allergische Reaktionen auslösen können.2

Die aktuellen Erkenntnisse machen deutlich: Den Hausstaubmilben aus dem Weg zu gehen ist beinahe unmöglich. Hausstaubmilbenallergiker sind dem allergieauslösenden Stoff ganzjährig und an den verschiedensten Orten ausgesetzt. Zudem tragen sie ein hohes Risiko, mit der Zeit ein allergisches Asthma bronchiale zu entwickeln.

Antihistaminika können zwar die akuten Beschwerden lindern. Sie können aber nicht verhindern, dass sich eine Allergie auf die unteren Atemwege ausweitet und zu Asthma wird. Das kann nur eine so genannte Allergie-Impfung oder Hyposensibilisierung gewährleisten. Die Hyposensibilisierung funktioniert wie eine Art „Training“ für das Immunsystem: Indem der Körper gezielt über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren mit dem allergieauslösenden Stoff konfrontiert wird, lernt das Immunsystem wieder normal zu reagieren. Die Hyposensibilisierung kann in Form von Spritzen, Tropfen oder Tabletten verabreicht werden. Die Kosten für die Behandlung trägt die Krankenkasse.

 
 

Quellen:

  1. Tovey et al., PLOS ONE July 2013 Vol. 8 Issue 7.
  2. Hemmer et. al., J Pneumolog 2016; 4 (1): 9-13.

 
 

Milben-Mythen

Wo lauern Milben wirklich? Wie können Milben-Allergiker ihre Beschwerden lindern? Allergiecheck.de räumt auf mit den gängigsten Mythen und erklärt, welche Maßnahmen wirklich helfen.

  1. Allergien sind harmlos.
    Stimmt nicht. Symptome allergischer Reaktionen können unterschiedlich stark ausfallen – harmlos sind Allergien aber nicht, sondern ernst zu nehmende chronische Erkrankungen: In einer Studie zeigten Wissenschaftler, dass Allergiker einen Verlust an Lebensqualität erleiden, der dem von Diabetes-Patienten oder Menschen entspricht, die an Herz-Kreislauferkrankungen leiden.1
  2. Encasings schützen vor Milbenallergenen.
    „Encasings“ – so bezeichnen Bettwäsche-Hersteller milbendichte Bettwäsche, die Symptome  einer Hausstaubmilbenallergie vorbeugen sollen, indem sie Milben und deren Exkremente gewissermaßen in der Matratze einsperren. Der Nutzen ist allerdings umstritten: In einigen  Untersuchungen wurde gezeigt, dass Encasings keinen Effekt auf Beschwerden durch Hausstaubmilbenallergie hatten – z.B. wurden Rhinitis-Symptome durch die speziellen Bettbezüge nicht verringert.2
  3. Milbenallergiker sollten ihre Wäsche mit besonderen Waschmitteln reinigen.
    Das ist unnötig. Spezielle Milbenwaschmittel versprechen eine besonders gründliche Reinigung der Wäsche durch die Abtötung der Milben. Diese werden aber - unabhängig vom Waschmittel - bei 60°C getötet, wenn sie etwa eine Stunde dieser Temperatur ausgesetzt sind. Ein besonderes Milbenwaschmittel ist daher nicht erforderlich.
  4. Eine Milbenallergie ist leicht festzustellen.
    Im Gegenteil. Die richtige Einschätzung der Symptome erfordert große ärztliche Expertise. Insbesondere Milbenallergiker zeigen oft sehr unspezifische Symptome, die nicht immer mit einer Allergie in Verbindung gebracht werden. Bei manchen Allergikern wird die eigentliche Erkrankung außerdem durch Gewöhnungseffekte abgeschwächt oder allergie-bedingte Asthmasymptome z.B. durch wiederholt auftretende Infekte verschleiert. In einer europäischen Multicenterstudie untersuchten Forscher, wie Allergien diagnostiziert werden. Ergebnis: Ein Drittel der Patienten erhalten keine Allergiediagnose und werden allenfalls symptomatisch behandelt.1,3
  5. Antihistaminika reichen als Behandlung aus.
    Nein. Zwar können Antihistaminika akute Symptome lindern. Sie sind aber keine ursächliche Therapie, die nachhaltig eine Allergie bekämpfen könnte. Nur eine langfristig, über mehrere Jahre angewandte Therapie wie die Hyposensibilisierung – auch als Allergie-Impfung bezeichnet – kann allergische Reaktionen verringern oder ganz vermeiden, und verhindern, dass sich eine Allergie auf die unteren Atemwege ausweitet und Betroffene an Asthma erkranken.
 
 

Quellen:

  1. Chivato et al., J Investing Allergol Clin Immunol 2012; Vol 22(3): 168-179.
  2. Calderón et al, J Allergy Clin Immunol 2015; 136: 38-48.
  3. Hemmer et. al., J Pneumolog 2016; 4 (1): 9-13.

 
 

Behandlungsoptionen für Allergiker

Zurzeit gibt es nur einen Behandlungsansatz, der Allergien an der Ursache packen kann: die so genannte Hyposensibilisierung – umgangssprachlich auch „Allergie-Impfung“ genannt. Dabei setzen sich Allergiker genau den Allergenen aus, auf die sie allergisch reagieren. Damit soll das Immunsystem trainiert werden, gegenüber Allergenen eine Toleranz zu entwickeln. Bei erneutem Kontakt mit dem Allergen reagiert das Immunsystem durch die Hyposensibilisierung entweder in geringerem Ausmaß als vorher oder im günstigsten Falle gar nicht mehr und allergische Reaktionen bleiben ganz aus. Es gibt verschiedene Darreichungsformen für eine hyposensibilisierende Behandlung (eine detailliertere Auflistung, welche Darreichungsformen für welche Allergien zur Verfügung stehen, findet man unter https://www.allergiecheck.de/allergie-behandlung.html):

  1. Hyposensibilisierung mit einer Spritze:  Bei der Hyposensibilisierung mittels Spritze werden den Patienten von einem allergologisch erfahrenen Arzt eine allergenhaltige Lösung unter die Haut injiziert (daher auch der Fachbegriff „subkutane Immuntherapie“ SCIT) – normalerweise an der Rückseite des Oberarms. Die Injektionen müssen von einem Arzt verabreicht werden, so dass bei dieser Darreichungsform ein Besuch in der Arztpraxis nötig ist.
  2. Hyposensibilisierung mittels Tablette: Die Einnahme von Allergenen in Tablettenform gehört zu den so genannten sublingualen Immuntherapien (SLIT). Die erste Tablette wird unter ärztlicher Aufsicht eingenommen; danach können Allergiker die Tabletten selbstständig einnehmen. Der Vorteil gegenüber Spritzen: es sind keine regelmäßigen Termine in der Arztpraxis nötig. Tabletten sind auch für Patienten, die keine Spritzen vertragen oder mögen, eine praktische Alternative.
  3. Hyposensibilisierung mittels Tropfen:  Die Tropfen, die Allergene enthalten, werden täglich sublingual über die Mundschleimhaut genommen. Sie werden unter die Zunge geträufelt, der Allergiker sollte die Tropfen vor dem Herunterschlucken zwei bis drei Minuten im Mund behalten.

Für alle Applikationsformen empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Therapiedauer von etwa drei Jahren.

 
     

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