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Hyposensibilisierung, Anaphylaxie, Allergengehalt: Was Insektengiftallergiker wissen müssen

Ein Insektenstich ist schnell passiert – und im besten Fall schnell wieder vergessen. Das gilt leider nicht für Menschen, die allergisch auf das jeweilige Insektengift reagieren. Ihr Immunsystem erinnert sich ein Leben lang an das eigentlich harmlose Gift und bekämpft es mit allen Mitteln. Mit einer Hyposensibilisierung lässt sich das Problem in den allermeisten Fällen in den Griff bekommen. Das klappt nicht von heute auf morgen, lohnt sich aber langfristig.

„Eine Allergie gegen das Gift von Wespen, Bienen, Hornissen oder Hummeln ist immer dann behandlungsbedürftig, wenn die Beschwerden nicht lokal auf die Einstichstelle beschränkt bleiben, sondern den ganzen Organismus in Mitleidenschaft ziehen“, erklärt Prof. Dr. Nataljia Novak, leitende Oberärztin der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Uniklinikum in Bonn. Dazu zählen Schwellungen, Juckreiz und Ausschlag an verschiedenen Körperstellen, z.B. im Gesicht oder an den Hand- oder Fußflächen. Charakteristischerweise sind neben der Haut weitere Organsysteme betroffen, etwa die Atemwege, der Magen-Darm-Trakt oder das Herz-Kreislaufsystem.

Im schlimmsten Fall lebensbedrohlich

„Eine solche systemische Reaktion auf einen Insektenstich ist potenziell lebensbedrohlich“, warnt die Expertin. Die Symptome entwickeln sich oft innerhalb weniger Minuten – manchmal nur Sekunden – und münden im schlimmsten Fall in einem so genannten anaphylaktischen Schock. In Deutschland sind bis zu 3,5 Prozent der Bevölkerung hochgradig allergisch gegen Insektenstiche – vor allem gegen das Gift von Wespen. Pro Jahr werden rund 20 Todesfälle registriert, die Dunkelziffer dürfte jedoch weitaus höher liegen.1

Besteht der Verdacht auf eine Insektengiftallergie, führt der Arzt verschiedene Tests durch, um die Diagnose zu bestätigen. „Wenn es in der Krankengeschichte bereits eine systemische Reaktion auf einen Stich gegeben hat, weisen wir mit einem Haut- oder Bluttest nach, ob das Immunsystem bestimmte Abwehrstoffe, so genannte IgE-Antikörper, gegen das Gift gebildet hat“, so Nataljia Novak. Durchgeführt werden können Haut- und Bluttest bei einem allergologisch weitergebildeten Arzt. Das kann der Haus- oder Kinderarzt sein, aber auch HNO-, Haut- oder Lungenfachärzte. Bei einem positiven Ergebnis sollten die Betroffenen eine Hyposensibilisierung in Betracht ziehen.

Guter Schutz nach erfolgreicher Aufdosierungsphase

Die Hyposensibilisierung besteht aus einer Aufdosierungs- und einer Erhaltungsphase. Erstere kann ambulant oder stationär in der Klinik durchgeführt werden. Dabei wird dem Körper das entsprechende Insektengift in steigenden Dosen unter die Haut gespritzt. Das Immunsystem lernt, das Gift zu tolerieren und reagiert langfristig wieder normal. Prof. Novak erklärt die Vorteile der stationären Aufdosierungsphase: „Bei dieser Variante erreichen wir die höchste Dosis innerhalb von zwei bis fünf Tagen – bei einer Allergie gegen Wespen entspricht das ungefähr der Giftmenge von fünf Stichen. Danach entwickeln die Patienten bereits eine guten Schutz und brauchen anschließend nur noch alle vier bis sechs Wochen eine Erinnerungsspritze.“ Hinzu kommt: In der Klinik können die Patienten lückenlos überwacht werden. „Zwar sind systemische Nebenwirkungen bei der Hyposensibilisierung selten, aber wer einmal eine solche Reaktion auf einen Insektenstich hatte, vergisst dieses Erlebnis nicht so leicht und ist vielleicht ängstlich, was die Behandlung angeht“, so Novak.

Erfolgsquote über 90 Prozent

Die im Anschluss an den Klinikaufenthalt beginnende Erhaltungsphase wird ambulant durchgeführt und sorgt dafür, dass der Schutz langfristig bestehen bleibt. Sie dauert in der Regel drei bis fünf Jahre. Durchhalten lohnt sich, betont die Expertin: „Die Hyposensibilisierung kann für Insektengiftallergiker lebensrettend sein. Unsere Patienten sind sehr erleichtert, wenn sie die Behandlung hinter sich gebracht haben und wieder ohne Angst in einen Biergarten gehen können. Leider stellen wir aber fest, dass viele Menschen trotz einer durchgemachten systemischen Reaktion nicht zum Arzt gehen und nicht über die Möglichkeit einer Hyposensibilisierung Bescheid wissen.“ Medienberichte über einen angeblich unzureichenden Wirkstoffgehalt mancher Medikamente hält sie für wenig hilfreich: „Darüber muss sich der Patient keine Gedanken machen. Die Auswahl eines passenden Präparates ergibt sich aus der Diagnostik und ist Aufgabe des Arztes.“ Die Erfolge der Behandlung sprechen für sich. Über 90 Prozent der Patienten sind danach vor einer neuen allergischen Reaktion geschützt.

Quellen

  1. B. Przybilla et al.: Diagnose und Therapie der Bienen- und Wespengiftallergie. Allergo J 2011; 20: 318–39.

 
 

Darauf fliegen Wespen: Was Allergiker im Sommer vermeiden sollten

Grillparties, Freibadbesuche, Open-Air-Veranstaltungen – der Sommer findet draußen statt. Damit auch Insektengiftallergiker keine Angst vor Aktivitäten im Freien haben müssen, sollten sie ein paar einfache Regeln beachten. Und sich von Dingen fernhalten, von denen Insekten magisch angezogen werden.

  • Parfums und stark duftende Kosmetikprodukte wirken nicht nur auf Menschen, sondern auch auf Insekten. Als Allergiker im Sommer besser darauf verzichten.
  • Süße Limonaden und andere offene Getränke im Freien immer abdecken. Ebenfalls nützlich sind Strohhalme.
  • Beim Essen immer die Augen aufhalten: Ein Stich in Hals oder Rachen kann auch für Nichtallergiker gefährlich werden und stark anschwellen. Nach dem Essen: Hände waschen, den Mund abwischen und Essensreste einpacken. So bleibt nichts liegen, wovon Wespen, Bienen und Hummeln angelockt werden.
  • Blumenmuster sind für Wespen und Bienen verwirrend und werden gern mit echten Blumen verwechselt. Besser ist einfarbige Kleidung, vor allem in hellen Farben. In Bezug auf Insekten ist eng anliegend ausnahmsweise vorteilhafter als weit: In weiten Kleidern können sie sich leicht verfangen.
  • Tiergehege, Fallobst und Abfalleimer sind beliebte Tummelplätze für Wespen. Daher als Allergiker lieber einen großen Bogen darum machen.
  • Weiches Gras unter den Füßen und Blumenwiesen sorgen für Sommerfeeling. Allergiker sollten aber dringend geschlossene Schuhe tragen und auf das Blumenpflücken verzichten.
 
 

Verhalten bei Insektenstich: So reagieren Sie richtig

Trotz aller Vorsicht: Manchmal lässt sich ein Stich einfach nicht vermeiden. Hier erfahren Sie, worauf Sie im Fall der Fälle achten sollten und wie Sie richtig reagieren.

1. Den Stachel entfernen

Nach einem Insektenstich kann der Stachel des Tiers in der Haut steckenbleiben. Prüfen Sie daher die Einstichstelle und kratzen Sie den Stachel gegebenenfalls mit dem Fingernagel weg. Wichtig: Nicht quetschen oder drücken, dadurch kann zusätzliches Gift in die Wunde gelangen.

2. Die Reaktion des Körpers beobachten

Ein Insektenstich ist zwar im ersten Moment schmerzhaft, aber für die meisten Menschen ungefährlich. Wenn sich Symptome wie Juckreiz, Schwellungen und Ausschlag nicht auf die Einstichstelle beschränken, kann es sich um eine allergische Reaktion handeln. Auch allgemeine Symptome wie Übelkeit, Herzrasen und Kreislaufbeschwerden deuten darauf hin. Wenn das passiert, ist der Insektenstich ein Fall für den Notarzt. Verzichten Sie darauf, sich selbst hinters Steuer zu setzen. Auf ihren Kreislauf ist in dieser Situation keinen Verlass.

3. Das Notfallset anwenden

Wenn bereits eine Allergie bekannt ist und ein Notfallset verschrieben wurde, wenden Sie es wie vorgeschrieben an: Zuerst das schnell wirkende Kortisonpräparat in Form von Tropfen oder Tabletten und ein Antihistaminikum einnehmen. Sobald die Reaktion auf den Kreislauf übergreift, kommt der Adrenalin-Autoinjektor zum Einsatz. Allergiker sollten ihr Notfallset immer bei sich tragen und auch ihre Mitmenschen über die nötigen Sofortmaßahmen informieren.

4. Nachsorge und Hyposensibilisierung

Sobald das Schlimmste überstanden ist, sollten sich Insektengiftallergiker Gedanken über eine Behandlung machen, die das Problem an der Wurzel packt. Nach der Diagnostik bei einem allergologisch ausgebildeten Arzt empfiehlt sich eine Hyposensibilisierung. Mehr als 90 Prozent der Behandelten sind danach vor einer weiteren allergischen Stichreaktion geschützt.

Weitere Informationen unter www.allergiecheck.de

 
 

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