Hyposensibilisierung mittels Tablette

Jeder Vierte in den westlichen Industrieländern leidet inzwischen an Heuschnupfen. Häufigster Auslöser sind Gräserpollen. Sie provozieren das Immunsystem der betroffenen Allergiker zu einer heftigen Abwehrreaktion. Die Folgen sind Schnupfen, Augenjucken oder gar Atemnot. Mit einer Hyposensibilisierung mit Tabletten kann eine Allergie ursächlich behandelt werden. Diese unkomplizierte Therapieform ist seit einigen Jahren erhältlich.

Wie wirkt eine Hyposensibilisierungs-Tablette?

Die in der Tablette enthaltenen Allergene werden täglich über die Mundschleimhaut aufgenommen und erzeugen beim Immunsystem eine Toleranz. Es reagiert dann bei erneutem Kontakt mit Gräserpollen weniger empfindlich und im besten Fall bleiben die Beschwerden ganz aus. Um einen optimalen und langanhaltenden Effekt zu erzielen, sollten die Tabletten, entsprechend den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für die spezifische Immuntherapie, über drei Jahre eingenommen werden.

Unter welchen Voraussetzungen und bei welchen Allergien ist eine Hyposensibilisierung mittels Tablette möglich?

Die Hyposensibilisierung wird von der WHO als einzige ursächliche Therapie von Allergien empfohlen. Dabei wird das Immunsystem über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren genau festgelegten Dosen des allergieauslösenden Stoffes ausgesetzt. Auf diese Weise lernt es, dass das so genannte Allergen für den Körper ungefährlich ist, und reagiert nicht mehr allergisch darauf.

2006 führte das bisher größte klinische Studienprogramm zur spezifischen Immuntherapie zur erstmaligen Zulassung einer Hyposensibilisierung in Tablettenform für erwachsene Gräserpollen-Allergiker. Es gibt von verschiedenen Herstellern weitere Präparate, die zum Teil auch für die Behandlung von Kindern zugelassen sind. 

Die Hyposensibilisierung reduziert die typischen Symptome einer Gräserpollen-Allergie bereits ab dem ersten Tag der Pollensaison um bis zu 43 Prozent wenn rechtzeitig vor dem Pollenflug mit der Therapie begonnen wurde. Der Bedarf an zusätzlichen Akut-Medikamenten kann um bis zu 65 Prozent reduziert werden. Bisher gibt es zugelassene Tablettenpräparate für die spezifische Immuntherapie nur für Gräserpollen- und Hausstaubmilben-Allergiker.

Welche Möglichkeiten der Hyposensibilisierung stehen für welche Allergiker zur Verfügung?

SpritzeTropfenTablette
Gräser- und Roggenpollen-AllergikerXXX
BaumpollenallergikerXX
KräuterpollenallergikerXX
InsektengiftallergikerX
HausstaubmilbenallergikerXXX
SchimmelpilzallergikerXX
TierhaarallergikerXX

Wie wird die sublinguale Allergie-Impfung mit Tabletten durchgeführt - und wie sollten sich Patienten während dieser Therapie verhalten?

Die Hyposensibilisierung mit Tabletten ist eine sehr einfache, bequeme und dabei aber auch sehr effektive Form. Sie ist sehr patientenfreundlich. Die Einnahme erfolgt täglich. Die erste Tablette wird unter ärztlicher Aufsicht eingenommen, um eine mögliche allergische Reaktion zu kontrollieren. Anschließend nehmen Sie die Tablette einmal täglich zu Hause ein. Die Tablette wird unter die Zunge gelegt, wo sie sich sekundenschnell auflöst. Die Therapie sollte über 3 Jahre durchgeführt werden. In dieser Zeit lernt das Immunsystem langfristig auf das Allergen normal zu reagieren. Auch Kinder können die Hyposensibilisierung mittels Tablette erhalten. Dabei ist nur wichtig, dass die Eltern die tägliche Einnahme kontrollieren, denn nur eine regelmäßige Einnahme führt zum langfristigen Erfolg und zur Besserung der symptomatischen Beschwerden.


Bitte klären Sie vor Beginn der Therapie folgende Punkte mit Ihrem Arzt:

  • Nehmen Sie Medikamente ein? Wenn ja, welche?
  • Leiden Sie an einer chronischen Erkrankung?
  • Sind Sie schwanger oder planen Sie eine Schwangerschaft?
  • Haben Sie eventuell Beschwerden in der Mundhöhle / an den Zähnen?

Welche Vorteile hat die Hyposensibilisierung mit Tabletten?

Ein großer Vorteil der Hyposensibilisierung mit Tabletten besteht darin, dass sie vom Patienten selbständig durchgeführt werden kann. Während der meist etwa 3 Jahre dauernden Therapie sind deshalb weniger Arzttermine notwendig als bei einer Hyposensibilisierung mit Spritzen, die durch den Arzt verabreicht werden müssen. Auch die Verabreichungsform - die Einnahme der Tablette – wird von vielen Patienten im Vergleich zur Spritze als angenehmer empfunden. Die Nachhaltigkeit des Therapieerfolges konnte bisher für 2 Jahre über die Therapiedauer hinaus nachgewiesen werden.  

Vorteile der Hyposensibilisierung gegenüber einer symptomatischen Therapie

Vorteile der Allergie-Impfung mit Tabletten im Überblick

  • Überall durchführbar
  • Weniger Arztbesuche notwendig
  • Einfache Anwendungsform

Welche Risiken beziehungsweise Nachteile gibt es bei einer Hyposensibilisierung mittels Tablette?

Eine Hyposensibilisierung mit Tabletten verlangt vom Patienten ein hohes Maß an Selbstdisziplin. Das gilt besonders für die Monate, in denen keine oder eine geringere Allergenbelastung vorhanden ist, also z.B. nach Ende des Pollenflugs oder bei einer Verbesserung der Symptome der Allergie durch die Allergie-Impfung.

Der langfristige Erfolg bleibt aber aus, wenn die Therapie unterbrochen wird. Eine kontinuierliche Einnahme der Tabletten ist die Voraussetzung für den Erfolg der Therapie. Daher kann es sinnvoll sein, sich Erinnerungshilfen zu organisieren oder die Tabletten an einem Ort zu platzieren, wo man an die tägliche Einnahme erinnert wird.  

Während der Therapie kann es zu Begleiterscheinungen kommen. Viele Patienten verspüren zu Beginn der Behandlung für kurze Zeit ein Kribbeln oder Brennen im Mund, das aber meist in den ersten Wochen der Einnahme wieder verschwindet.  

Helfen kann hier:
• Nach 5 Minuten Wartezeit Eiswürfel unter die Zunge legen
• Nach 5 Minuten Wartezeit etwas trinken oder essen
• Die Tablette nicht direkt nach dem Zähneputzen einnehmen  

Andere meist leichte bis mäßige Symptome sind z.B. Juckreiz in den Ohren, Niesreiz, Halsreizungen und Schwellungen im Mundbereich. Auch diese können kurzfristig zu Beginn der Therapie auftreten. Einen Überblick über die möglichen Nebenwirkungen gibt die Gebrauchsinformation des jeweiligen Präparats.

Beispiele für häufige Symptome:

  • Kribbeln / Brennen im Mund
  • Juckreiz in den Ohren
  • Niesreiz
  • Halsreizungen
  • Schwellungen im Mundbereich

Die Allergie-Impfung mittels Tablette - was Sie darüber wissen sollten

Eine kausale Behandlung von Allergien durch Hyposensibilisierung muss nicht zwingend mit Spritzen erfolgen. Alternativ zur subkutanen Verabreichung kann eine Hyposensibilisierung auch in Form von Tabletten erfolgen. Die Allergie-Impfung mittels Tablette empfinden viele Patienten im Vergleich zu Injektionen als angenehmer; außerdem kann sie von ihnen selbst angewandt werden. Im Vergleich zur subkutanen Therapie sind weniger Arzttermine notwendig. Diese Form der Allergie-Impfung erfordert allerdings ein hohes Maß an Selbstdisziplin und sollte kontinuierlich über mehrere Jahre durchgeführt werden. Bei Kindern sollte die tägliche Einnahme der Tablette durch einen Erwachsenen kontrolliert werden.

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