Hyposensibilisierung

Allergien sind für die Betroffenen meist mit lästigen Beschwerden verbunden. Diese lassen sich kurzfristig zwar mit verschiedenen Medikamenten behandeln, doch um eine dauerhafte Verbesserung zu erreichen, reicht dies nicht aus. Stattdessen kann jedoch in vielen Fällen eine Hyposensibilisierung helfen.

Was ist eine Hyposensibilisierung?

Die Hyposensibilisierung ist eine Therapieform zur langfristigen Behandlung von Überreaktionen des Immunsystems, wie sie für Allergien typisch sind. Zurzeit stellt sie die einzige Möglichkeit dar, eine Allergie kausal zu behandeln. Alle anderen Therapien, zum Beispiel die Verabreichung antiallergischer Medikamente, können zwar die Allergiesymptome lindern, aber nicht der eigentlichen Ursache der Allergie entgegenwirken.

Die Bezeichnung "Hyposensibilisierung" deutet auf das dieser Therapie zugrunde liegende Prinzip hin: Es wird versucht, die Sensibilisierung des Körpers gegenüber dem betreffenden Allergen so weit zu verringern, dass es nur noch geringe oder gar keine allergischen Beschwerden verursacht.

Umgangssprachlich wird gelegentlich auch von einer "Allergie-Impfung" gesprochen. Im medizinischen Sprachgebrauch finden sich zudem die Bezeichnungen "spezifische Immuntherapie", „Allergie-Immuntherapie“ oder auch "Desensibilisierung". Der Begriff "Desensibilisierung" ist allerdings nicht ganz exakt und gilt als veraltet, weil die Sensibilisierung für das betreffende Allergen durch die Therapie nicht aufgehoben wird. Sie bleibt nach wie vor erhalten, doch das Immunsystem reagiert auf dieses Allergen nach einer erfolgreichen Hyposensibilisierung entweder gar nicht mehr allergisch oder nur noch bei sehr starken Allergenbelastungen.

Wie funktioniert die Hyposensibilisierung und wie läuft sie ab?

Die Hyposensibilisierung zielt darauf ab, den Körper allmählich an ein bestimmtes Allergen zu gewöhnen, sodass es bei Kontakt mit diesem Allergen nicht mehr zu allergischen Beschwerden kommt. Zu diesem Zweck erhalten die Patienten über einen längeren Zeitraum hinweg immer wieder das betreffende Allergen verabreicht, wobei die Dosis während der Therapie allmählich immer weiter erhöht wird. Ist die individuelle Höchstdosis erreicht, wird diese weiterhin in regelmäßigen Abständen verabreicht, und zwar je nach Therapieverfahren in der Regel täglich oder monatlich bis sechswöchentlich.

Durch die regelmäßig wiederholte Konfrontation mit dem Allergen soll das Immunsystem "lernen", dass dem Körper durch das Allergen keine Gefahr droht. Durch die im Laufe der Zeit abnehmende Sensibilisierung des Immunsystems gegen das Allergen nehmen die allergischen Beschwerden bei erfolgreicher Therapie spürbar ab und treten bestenfalls überhaupt nicht mehr auf.

Eine spezifische Immuntherapie zur Hyposensibilisierung von Allergikern kann sich über mehrere Jahre erstrecken. Sie sollte grundsätzlich nur durch Allergologen oder andere mit dieser Therapie erfahrene Ärzte durchgeführt werden. Trotz der langen Dauer ist die Hyposensibilisierung dadurch gerechtfertigt, dass es bislang nur auf diese Weise möglich ist, Allergien kausal entgegenzuwirken, und dass dadurch in vielen Fällen eine deutliche Besserung der Symptome und der Lebensqualität erreicht werden konnte.

Was sind die Vorteile einer Hyposensibilisierung?

WirkungHyposensibilisierung

Aufbau einer natürlichen Toleranz
                       X

Beugt Entwicklung von Asthma vor
                       X

Beugt Entwicklung neuer Allergien vor
                       X

Anhaltender Effekt nach Ende der Behandlung
                       X

Reduziert die Symptome
                       X

Reduziert Bedarf an symptomatisch wirkenden Medikamenten
                       X

Welche Arten beziehungsweise Verfahren der Hyposensibilisierung gibt es?

Je nach der Art und Weise, in der die Allergen-Dosen verabreicht werden, wird zwischen verschiedenen Arten der spezifischen Immuntherapie unterschieden.

Bei der subkutanen Immuntherapie (SCIT) erhält der Patient die Dosis subkutan, also unter die Haut. Dies geschieht durch eine vom Arzt verabreichte Spritze, die das Allergen entweder in einer wässrigen Lösung oder an einen Depotträger gebunden enthält. Sobald durch entsprechende Dosissteigerungen die individuelle Erhaltungsdosis erreicht ist, wird die Therapie in regelmäßigen Abständen von etwa vier bis sechs Wochen weitergeführt, um eine Gewöhnung des Immunsystems an das Allergen und die gewünschte Regulierung der Antikörperbildung zu erzielen.

Was erwartet eine Kinderärztin von einer spezifischen Immuntherapie?

Beispielhaftes Therapieschema einer subkutanen Allergie-Impfung

Eine weitere Methode der Hyposensibilisierung ist die sublinguale Immuntherapie (SLIT). Hierbei wird die Allergen-Dosis dem Patienten jeweils unter die Zunge verabreicht und durch die Mundschleimhaut aufgenommen. Die Einnahme kann sowohl in Form von Tropfen als auch in Form von schnell löslichen Tabletten geschehen. Die sublinguale Immuntherapie in Tablettenform ist bisher für Gräser- und Hausstaubmilbenallergiker zugelassen. Im Unterschied zur Therapie mit Spritzen muss die Einnahme der Allergene bei der SLIT zwar täglich erfolgen, kann dafür aber nach einer anfänglichen Einweisung durch den Arzt auch vom Patienten allein weitergeführt werden. Deshalb sind im Vergleich zur SCIT insgesamt weniger Arzttermine erforderlich.

Beispielhaftes Therapieschema einer Hyposensibilisierung mit Tropfen

Beispielhaftes Behandlungsschema einer Hyposensibilisierung mit Tabletten

Insbesondere bei Nahrungsmittelallergien wurde im Rahmen von Studien auch eine orale Immuntherapie versucht. Zudem gibt es weitere Therapieverfahren, wie zum Beispiel die nasale Hyposensibilisierung, die sich noch in der Erforschung befinden oder in Deutschland bislang nicht durchgesetzt haben.

Für welche Patienten kommt eine Hyposensibilisierung infrage?

Eine Hyposensibilisierung kommt vor allem bei Patienten infrage, die an einer IgE-vermittelten Allergie vom Typ I, dem sogenannten Soforttyp, leiden. Indikationen sind beispielsweise saisonale allergische Rhinitis - der sogenannte Heuschnupfen - und leichtes bis mittelgradiges allergisches Asthma, das durch Gräserpollen, Roggenpollen, Birkenpollen, Beifußpollen, Hausstaubmilben, Tierhaare oder Schimmelpilze ausgelöst wird, - um nur einige häufige Ursachen zu nennen.

Bei Allergien gegen Bienengift oder Wespengift kann eine erfolgreiche Hyposensibilisierung sogar lebensrettend sein, da die allergischen Reaktionen in diesen Fällen oft sehr heftig ausfallen und leicht zu einem lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock führen können.

Die Hyposensibilisierung kann sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen angewandt werden. Die bislang durchgeführten Studien in diesem Bereich bezogen sich zwar überwiegend auf Erwachsene, doch gehen Experten davon aus, dass die Erfolgschancen bei Kindern im Vergleich zu Erwachsenen eher größer als geringer sind. Allerdings wird davon ausgegangen, dass die subkutane der sublingualen Immuntherapie mit Tropfen bei Kindern von der Wirkung her überlegen ist.

Bei einigen Erkrankungen, wie beispielsweise schwerem Asthma, Tumor-Erkrankungen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, kann meist keine Hyposensibilisierung erfolgen. Das gilt auch bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem oder Nierenproblemen sowie während der Schwangerschaft.

Was Sie vorab mit Ihrem Arzt klären sollten:

  • Nehmen Sie Medikamente? Wenn ja, welche?
  • Leiden Sie an einer chronischen Erkrankung?
  • Planen Sie einen Urlaub oder eine längere Dienstreise?
  • Stehen Sie vor einem sportlichen Wettkampf?
  • Erhalten Sie in absehbarer Zeit notwendige Schutzimpfungen?
  • Sind Sie schwanger oder planen Sie eine Schwangerschaft?
  • Haben Sie eventuell Beschwerden in der Mundhöhle / an den Zähnen?

Was kostet eine Hyposensibilisierung und übernehmen Krankenkassen die Kosten?

Die Kosten einer Hyposensibilisierung können nicht pauschal beziffert werden, weil sie von den im konkreten Einzelfall verwendeten Präparaten, von der Therapiemethode und von der Dauer der Therapie abhängen. Sie werden von den Krankenkassen übernommen.

Spritze mit Allergen Lösung
Spritze mit Allergen Lösung

Mit welchen Nebenwirkungen ist bei einer Hyposensibilisierung zu rechnen?

Als mögliche Nebenwirkung einer Hyposensibilisierung können eine Rötung, Schwellung oder ein Juckreiz der Haut an der Einstichstelle beziehungsweise bei der sublingualen Therapie im Mund auftreten. Im Normalfall sind die Nebenwirkungen jedoch gering und klingen schnell wieder ab, sofern sie überhaupt aufgetreten sind. Weil die Gabe der Allergendosen eine Belastung für das Immunsystem darstellt, kann sich an den Behandlungstagen auch ein Gefühl der Abgeschlagenheit bemerkbar machen.

In seltenen Fällen kann es als Nebenwirkung der subkutanen Hyposensibilisierung auch zu einem allergischen Schock kommen. Aus diesem Grund sollte die Injektion nur von einem Arzt durchgeführt und der Patienten nach dem Verabreichen der Spritze noch etwa eine halbe Stunde in der Arztpraxis beobachtet werden.

Darüber hinaus sind noch weitere Nebenwirkungen möglich. Welche das im Einzelnen sein können ist in der Gebrauchsinformation des jeweiligen Präparats aufgeführt.

Hyposensibilisierung: das Wichtigste in Kürze

Die Hyposensibilisierung ist ein Therapieverfahren, das in vielen Fällen von Typ-I-Allergien (Soforttyp) für eine langfristige Besserung der Beschwerden sorgen oder diese sogar ganz zum Verschwinden bringen kann. Die Wirkung beruht darauf, das Immunsystem durch wiederholte, hohe Allergen-Dosen an die allergieauslösende Substanz zu gewöhnen, sodass es weniger oder gar nicht mehr darauf reagiert. Bislang ist die Hyposensibilisierung das einzige Therapieverfahren, das direkt bei der Ursache einer Allergie ansetzt. Die Therapie kann sich über mehrere Jahre erstrecken, bietet jedoch in vielen Fällen gute Erfolgsaussichten. Die Kosten für eine Hyposensibilisierung werden von den Krankenkassen getragen.

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